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Metaphern der Landschaft

Vom 30. Juli bis 25. September 2005
Öffnungszeiten:  Freitag, Samstag, Sonntag und Feiertage  10.00 - 12.00 /  15.00 - 19.00 Uhr.
Eintritt: € 2.60, ermäßigt € 1.60

Eröffnung: Samstag 30. Juli 2005 um 18.00 Uhr

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Einführung von Claudio Rizzi

Die Aufgabe eines städtischen Museums, nach heutiger Sprachregelung auch gern als “Mission” bezeichnet, liegt nicht im Ausstellen, sondern im Zeigen / Schauen lassen. Dies mag banal klingen, doch in Wahrheit besteht ein großer Unterschied zwischen diesen beiden Konzepten: Die Ausstellung ist in sich abgeschlossen, während die Schau eine “didaktische” Rolle der Kommunikation und Dokumentation spielt und Auftakt zur Analyse eines bestimmten Themas ist.
Große Namen im Rampenlicht, begleitet vom lauten Geräusch der Werbetrommel: Damit verbindet sich häufig flüchtiger Konsum und das modische „ich war auch da“. Aber in der euphorischen Umarmung der großen Berühmtheit kommt die vertiefte Auseinandersetzung zu kurz.

Dies geschieht deshalb, weil eine breite Masse der Meinung ist, dass Denken schadet und nur das Entertainment sucht. Diese Überzeugung ist nicht nur im Verhältnis zur Kunst anzutreffen, sie ist vielmehr Ausdruck einer allgemeinen Haltung, von der Beliebigkeit und Oberflächlichkeit in der Politik bis zur Wahl des Fernsehprogramms und zum sonntäglichen Kino. Dennoch ist Fellini in die Filmgeschichte eingegangen, auch wenn er keine Kassenschlager gedreht hat.
Aber andere, und nicht wenige, stellen Fragen und versuchen zu verstehen. Sie nähern sich der zeitgenössischen Kunst in der Überzeugung, das Recht auf legitime Fragen zu haben.
Wer fragt: “Was soll das darstellen?”, dem sollten Lesarten und Antworten angeboten werden. Doch die finden sich nicht im effektvollen, ja pompösen Aufbau einer Ausstellung, in der Dominanz der Verpackung über die Inhalte. Vielmehr liegen sie in einem motivierten, logischen Ansatz, der sich in Erklärungen einerseits und Diskussionen andererseits umsetzen kann.
Die Fragen des Publikums dürfen nicht ins Leere gehen. Die öffentliche Institution hat die Pflicht zu antworten, um den Zusammenhalt der Gemeinschaft zu stärken, um das geringe Schulwissen zu ergänzen. Dies leistet nicht die Kunstkritik, die ihrem Wesen nach keine pädagogische Rolle spielt, sondern sich auf hohem fachsprachlichen Niveau ausdrückt.

“Was soll das darstellen?” ist eine falsche und doch zu Recht gestellte Frage. Sie ist falsch, weil seit geraumer Zeit keine Verpflichtung zur Darstellung mehr besteht. Sie wird zu Recht gestellt, weil viele das nicht wissen.
Die Landschaft ist in diesem Zusammenhang ein lehrreiches Thema. Immer schon und lange vor dem Menschen gab es die Landschaft; und man könnte denken, dass es sie auch in der Kunst immer gegeben habe. Doch das stimmt nicht. In der Kunst erscheint die Landschaft im Hintergrund, doch dient sie als Beiwerk, als Bezugspunkt, als Einordnung in einen Kontext.
Über viele Jahrhunderte spielt die Landschaft keine Hauptrolle. Abgesehen von einigen Ausnahmen erscheint sie zaghaft im späten siebzehnten Jahrhundert, und noch ein weiteres Jahrhundert soll vergehen, bevor sie an Profil gewinnt. Bis dahin hatte die Kunst der Darstellung und Verherrlichung des Göttlichen und der weltlichen Macht gedient. Erst mit der Romantik, als der gewöhnliche Mensch die Bühne betritt, gewinnt auch die Landschaft als Umfeld und Lebensraum der Menschheit an Profil und wird zum eigenständigen Thema.
Vorläufer sind europäische Künstler auf Italienreise und einige Maler nordischer Herkunft, doch in unserer Kultur bedarf es erst eines Canaletto, der sich noch im Rahmen der Verherrlichung der venezianischen Kultur und Gesellschaft bewegt. Erst mit Guardi und Bellotto und der Kunst der Vedute beginnt die große Zeit der Landschaft.

Und sie reicht bis weit ins zwanzigste Jahrhundert, mit Tallone, Marussig, De Grada dem Älteren, Soffici und Carrà, Morandi und dem frühen Guidi, um sich mit Morlotti, Cassinari und Chighine weiter zu entwickeln, bis hin zu den luftigen Landschaften von Roberto Crippa und den Meeresgründen von Dova.
Mit der enormen Beschleunigung des Tempos und des Fortschritts im zwanzigsten Jahrhundert setzt sich dieser Prozess fort und die Bildsprache entwickelt sich weiter.
Wie im alltäglichen Leben entwickelt sich die Bildsprache schneller als der Wechsel der Generationen und neigt dazu, sich auch Randerscheinungen einzuverleiben.
Entsprechend formuliert die Kunst neue Ausdrucksweisen, gebraucht verschiedene Techniken, bedient sich unterschiedlicher Materialien und löst Symbole aus ihrem Zusammenhang.
Autonomie und Freiheit werden immer mehr zum Vorrecht des Künstlers; das Dogma der Verherrlichung vergangener Jahrhunderte ist in Vergessenheit geraten. Der Aktionsradius wendet sich ab vom Gegenstand der Darstellung und hin zur Innerlichkeit, einer poetischen und intellektuellen Sphäre, die sich im spontanen Ausdruck manifestiert.

Der Künstler verarbeitet Themen seines Interesses, die aus seinem Fühlen und Denken hervorgehen, und den Menschen und seine Weltsicht widerspiegeln.
Mit der Freiheit des Künstlers geht die Freiheit des Betrachters einher, der nun seine eigene Deutung mit der suggestiven Kraft und Ausstrahlung des Kunstwerks in Beziehung setzt.
Die beste Antwort auf die berühmte Frage: “Was soll das darstellen?” kommt von jedem Einzelnen, fast als würde er an Stelle des Künstlers Sinn und Inhalt des Kunstwerks vollenden.
Das große Missverständnis zwischen dem weniger informierten Publikum und der zeitgenössischen Kunst besteht eben im Festhalten am Konzept der alten Kunst, in der die genaue Darstellung des Gegenstandes keine Abweichung erlaubt, sondern den Dialog zwischen Betrachter und Werk beschränkt, wenn nicht gar unmöglich macht.

Die Entwicklung der Kunst ist so selbstverständlich wie die Entwicklung der Gebräuche, der sozialen Beziehungen, des täglichen Lebens. Es reicht hinzuschauen. Doch es handelt sich immer noch um eine Entwicklung, nicht um einen Umsturz.
In diesem Sinn verweist der Begriff “Metapher” nicht auf eine rhetorische Übung, sondern einfach auf ein Bild, das scheinbar “anders” ist, als das, was man gemeinhin als Realität versteht.
Getragen wird das Konzept dieser Schau von Künstlern, die heute in der reichen kulturellen Tradition unserer Region arbeiten, sie konsequent fortsetzen und die innere Notwendigkeit verspüren, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

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Armando Fettioli

Brunivio Buttarelli

 

Die jeweiligen Bildsprachen sind voneinander verschieden und reichen von der figurativen Darstellung über die evokative Beschwörung bis hin zur Abstraktion.
Sandro Negri malt Eindrücke der Natur, der Wurzeln; er entdeckt Spuren von Geschichte, Tradition und menschlichem Leben in einem Wirbel von Wind und Farbe. Armando Fettolini schweift durch glühende Wüstenlandschaften voll stummer Anwesenheiten, Halbschatten von Anrufungen, Beschwörung oder Anklage. Melo Consoli lauscht der Natur, schafft Poesie im Rhythmus der Zeit, im Vibrieren des Augenblicks und der Farbe, in einer fast taktilen und pulsierenden Wahrnehmung der Existenz. Eine vibrierende, kraftvolle Malerei bestimmt den Gestus von Giuseppe Monguzzi, der spontane, heftige Entwurf eines existentiellen Terrains, tiefes Becken und Schmiede der Gefühle. Die Natur von Edoardo Bossoli explodiert vor Energie, eine immer währende, rauschende Kosmogonie, eine Katharsis des Glücks in plötzlichen Blitzen, in leidenschaftlichem Wetterleuchten. Massimo Marchesotti, ein häufiger Besucher nordischer Landschaft und Kultur, schafft eine expressionistische, gefühlsintensive Malerei in schnellen Gesten und transparenter Leuchtkraft.

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Edoardo Bassoli

Elena Strada

 

Gianluigi Troletti

Linie, Raum und Fläche gleichen bei Elena Strada den Mäandern des Zellgewebes, eine sensible Wahrnehmung der Landschaft, die Umfeld und zugleich seelische Befindlichkeit ist. Die Verbrennungen von Ferdinando Capisani bilden den Abschluss eines Wegs durch Bildersammlungen, durch Raum und Zeit, ein Mikrokosmos der Geschichte und der Menschheit, Wurzeln, die den Keim des Zukünftigen in sich tragen. Brunivo Buttarelli, ein eigenwilliger Bildhauer, der sich „toten“ Materialien widmet, entdeckt Leben und Natur im Schwemmholz, in rostigem Eisen, in Flusskieseln und verleiht ihnen neue Lebenskraft. Materie, Erde, Stein und die Seele der Welt verwandeln sich bei Oreste Ferrando in eine Poesie der wieder gefundenen Wahrheit und des Staunens angesichts des Einfachen. Bei Mario De Leo durchziehen Symbole der Zeit die Landschaft, technologische Konstellationen, denen noch, wie Zeugen der Vergangenheit, Zeichen und Hieroglyphen einer geheimnisvollen Schrift eingraviert sind. Grazia Gabbini nimmt ihre eigenen Entwürfe auseinander, entfaltet sie, setzt sie wieder zusammen, mal kompakt, mal zu feinen perspektivischen Fäden ausgefranst, ein fragiles und doch tragendes Gewebe einer anderen Zukunft. In den Arbeiten von Gianluigi Troletti schließlich spiegelt sich die Welt im Widerschein des Lichts, in der Erregung des Gegenübers im Moment einer unverhofften, schicksalhaften Begegnung, die das Bild verschwimmen lässt.

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Grazia Gabbini

Mario De Leo

 

 

Sehr verschiedene Themen und Persönlichkeiten, doch alle von großer innerer Kraft: eine poetische, authentische, ausgereifte Welt, die den Betrachter Gemeinsamkeiten und suggestive Passagen entdecken lässt. Diese Bildsprachen sind weit entfernt von Rhetorik und Selbstgefälligkeit, von nachsichtigen Zugeständnissen an den Publikumsgeschmack. Klare und strenge Ausdrucksformen, die jegliche Konzession an das Pittoreske oder das „Malerische“ ablehnen.

Ob in der Gruppe oder allein – der Künstler sucht die Geographie der Freiheit und den geistigen Horizont.

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